Firefox Quantum wird schneller und besser als jemals zuvor

Nach dem Browserkrieg

Als wir alle noch mit einem 56k-Modem ins Internet gingen, gab es nicht viel Auswahl, den Browser betreffend. Wir hatten zu dieser Zeit den Internet Explorer 4 und die coolen Jungs benutzten zu der Zeit den Netscape Navigator. Microsoft hatte die Macht des Internets unterschätzt und tatsächlich weitere 2 Versionen benötigt, um einen Browser zu erschaffen, der den Netscape Navigator technisch schlagen konnte. Der Internet Explorer 6 ging als klarer Sieger des ersten Browserkrieges hervor.

Announcement Release Code

Schwer angeschlagen musste Netscape 1998 zugeben, dass sie es versaut haben. Die Netscape Suite 6 war damals zwar noch ziemlich cool, aber leider dem Platzhirschen aus Redmond unterlegen. Opera hat zu dieser Zeit noch Werbung innerhalb des Browsers geschaltet, das war für viele Leute der Grund, diesen Browser nicht zu benutzen. Netscape bzw. AOL mussten handeln. Sie veröffentlichten den Quellcode unter einer Opensource-Lizenz und nannten dies dann Mozilla.

Die Dokumentation Code Rush zeigt ziemlich eindrucksvoll, wie das damals lief.

Die Helden erhoben sich

Tatsächlich lief es für die Firefoxentwickler ziemlich gut. Es gab auf einmal speziell für Windows oder MacOS angepasste Forks des Browsers. Für das KDE-Projekt wurde eine individuelle Firefox-Version geschaffen und dieser Wildwuchs war tatsächlich eine Art Befreiungsschlag, weil die Veröffentlichung des Quellcodes viele Entwickler dazu bewog, Internetbrowser so elegant und schnell wie möglich zu machen. Jeder hatte einen Haufen guter Ideen beizusteuern. 2002 erschien dann tatsächlich auch Mozilla 1.0. Der erste richtige Opensource Browser, inklusive eines guten Mail- und Newsprogrammes. Tatsächlich hielt sich die Anzahl der tatsächlichen Nutzer aber in gemütlichen Grenzen. Der Browser war ein Achtungserfolg, ein Musterbeispiel für gelungene Opensource, aber der Internet-Explorer war noch immer nicht einzuholen.

2004 erschien Firefox 1. Die Mozilla-Suite wurde aufgeteilt in Emailprogramm (Thunderbird), HTML-Editor und den Browser. Innerhalb eines Jahres wurde dieser Browser einhundert Millionen Mal heruntergeladen. Die Menschen wollten tatsächlich unbedingt wechseln, weil mittlerweile die Anzahl der Sicherheitslöcher im Internet Explorer massiv zunahmen. Zu Spitzenzeiten gab es 70.000 Downloads am Tag. Der Firefox begann seinen Siegeszug.

Google Chrome eröffnet den zweiten großen Browserkrieg

Google war einer der Hauptsponsoren für die Entwicklung des Browsers. So wurde als Standardsuche im Firefox die Google-Suchmaschine verwendet. Google entwicklete aber schon lange einen eigenen Browser. 2008 erschien dann Google Chrome in der Version 1.0. Es gab nun neben dem - noch immer eher gemächlich entwickelten Explorer - einen echten Konkurrenten für den Firefox. Google bediente sich an der Webkit-Engine des Mac-Browsers Safari und erschuf einen Browser, bei dem man urplötzlich von Benchmarks sprach. Webseiten mussten nicht mehr nur angezeigt werden, es musst auch noch höllisch schnell gehen. Dynamisches HTML war nun ein Thema. Also mussten die Browser jetzt auch immer schneller Javascript interpretieren können. CSS wurde nun auch wichtiger, weil die Webdesigner nun endlich anfingen, das richtige Markup für die richtigen Funktionen zu verwenden. Tabellenlayouts oder gar Framesets waren verpönt. HTML legte die Struktur fest, CSS das eigentliche Design.

Die Mozilla-Foundation änderte die Releasepolitik, es wurden viel für die Geschwindigkeit getan, aber langsam holte Chrome im Lauf der folgenden Jahre den Firefox-Browser ein und überrundete diesen. Selbst unter Linux stellte sich bei Firefox-Versionen keine Zufriedenheit mehr ein. Der Browser wurde langsam, träge und gab einfach den RAM nicht wieder frei. Die Unterstützung veralteter Plugin-Standards und nicht zuletzt massive Fehler in diversen Erweiterungen sorgten beim Endbenutzer für Enttäuschung. Sogar Firefox-Entwickler veröffentlichten düstere Zukunftsszenarios und mussten zugeben, dass Firefox den Krieg verloren hat.

Firefox Projekt Quantum

After the Flood
Screenshot:After the Flood in WebGL2

Das schönste an Opensource-Projekten ist ja, dass man sie immer wieder für tot erklärt und tatsächlich nur manchmal damit recht hat. Natürlich hat die Mozilla-Foundation den Markt beobachtet und natürlich ist der Firefox zuletzt komplett an den Wünschen der User vorbei entwickelt worden. Der Inline-Chat war ebenso blödsinnig, wie diverse theoretisch gute Ideen bzgl. des Speichermanagements. Der Firefox war in der Basis schon kaputt. Memory-Leaks konnten nicht sauber verarbeitet werden und irgendwie war alles einfach nur noch unbefriedigend.

Ein erster, wichtiger Schritt war die Entwicklung einer neuen CSS-Engine namens Stylo. Dieses Modul kann bis zu 18x schneller CSS verarbeiten. Eine gute, technische Dokumentation kann man sich hier angucken. Da CSS festlegt, wie die Seite am Ende tatsächlich aussieht, fallen hier die Performanceverbesserungen am besten auf. Insgesamt benötigt Quantum viel weniger Speicher als die bis dahin verwendete Gecko-Engine. WebGL in Version 2 wird ebenso unterstützt, wie CSS3 in einem sehr großen Umfang.

Die Betaversion steht schon lange zum Download zur Verfügung und unterstützt die meisten der alten Addons. Dennoch werden viele Addons für den neuen Quantum nicht mehr funktionieren, da der gesamte Pluginstandard angepasst wird. Gerade für die Freizeitentwickler von Addons ist das relativ ungeil, allerdings neigen bestimmte Addons sowieso dazu, den Browser ziemlich träge zu machen.

Ich selbst nutze Firefox und Chrome parallel. Firefox ist mein Standardbrowser insbesondere für die Entwicklung von Webseiten. Chrome nutze ich in erster Linie für Netflix, da die bösen Menschen von Google es leider nur über deren eigenen Microkosmos zulassen, den Chromecast vom Laptop aus zu speisen. Mit dem Firefox geht das leider aktuell nicht. Mit dem Edge von Microsoft im Übrigen auch nicht.


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Kommentare


Ich bin echt gespannt und hoffe, dass Firefox Quantum der Schritt in die richtige Richtung ist. Der FF ist und bleibt mein Lieblingsbrowser, wobei ich verstehen kann, wenn jemand wegen des Speicherhungers den nicht so toll findet. Hoffen wir das Beste! :)